Von Broome ins Red Center (2015)

Der lange Weg ins Red Centre

Der Purnulu Nationalpark, mit seinen an Bienenstöcke erinnernde Felsformationen, gehört zu den von der UNESCO aufgelisteten Naturwundern dieser Erde.
Zwingend erforderlich, um in den Park zu gelangen, ist ein Geländewagen, den Guri und ich vor 10 Jahren, als wir hier vorbei fuhren, noch nicht hatten.
Mit frisch reparierten Stoßdämpfern, die für diese Fahrt unersetzlich sind, machen wir uns auf den Weg.
Die Zufahrtsstraße hat es in sich. Für 50 Kilometer benötigen wie knappe drei Stunden. Eigentlich müssten wir, dank der Gibb River Road, kampferprobt sein, was das Fahren auf unwegsamen Gelände angeht. Doch diese Straße ist nicht mehr als ein Flickenteppich aus Felsbrocken, Sand und sonstigen Gesteinsmassen. Auch müssen wir drei Flussläufe durchqueren, von denen einer immerhin über einen halben Meter tief und etwa 30 Meter breit ist.
Prompt knallen wir beim durchfahren über einen Felsbrocken und brechen uns erneut einen, wohl gemerkt, frisch reparierten, Stoßdämpfer. So ein Mist!
Das Ende der Straße ist nicht in Sicht und wir sind noch auf der Zufahrt in den Park. Mittlerweile gewohnt an das fahren in Schrittgeschwindigkeit, erreichen wir kurz vor Einbruch der Dunkelheit den Campground.
Australiens wilde Hunde, die Dingos, jaulen die ganze Nacht über unbarmherzig und laufen in unmittelbarer Nähe am Zelt vorbei. Guri weckt mich, wenn sie auf die Toilette muss. Das ist schon ein mulmiges Gefühl, diesen Tieren aus der Nähe zuzuhören. Dingos sind aber für ihre friedliche Natur bekannt, zumindest solange sie von Menschen nicht gefüttert werden.
Direkt neben unserem Zelt ist ein tropfender Wasserhahn, an dem sich jeden Morgen und Abend Hunderte von Vögeln versammeln und sich um ein paar Tropfen balgen. Honigesser, sowie die wunderschönen Zebra- und Reisfinken, mit ihren gestreiften Schnäbeln.
In einem Eukalyptusbaum gegenüber wohnen in zwei Astlöchern ein weißer Kakadu und hat als direkten Nachbarn einen seltenen blauen Kakadu. Überhaupt scheinen sich die Kakadus untereinander prächtig zu verstehen, da sie mit jedem Sonnenaufgang die ganze Umgebung in ein ohrenbetäubendes Gekreische einhüllen.
Die Bungle Bungles erweisen sich, als zu Recht, gepriesenes Naturwunder. Wie riesengroß diese sind, erleben wir beim Betreten der Cathedral Cove, in der wir, auf Grund der natürlichen Klimaanlage, den ganzen Nachmittag über verweilen.
Es gibt unglaublich viele Schluchten zu entdecken, beispielsweise das Palm Valley, in das ein gewundener Wanderweg führt und dessen Schluchten mit Gehwegen ausgestattet sind. Ein Augenschmaus.
Guri spricht auf dem Campground eine Granny und einen Granpy, die den Park gerade verlassen, an, ob sie „unseren“ Mechaniker Jarrad in Karratha anrufen können, damit dieser erneut Ersatzteile bestellt.
So quälen wir uns die höllischen 50 Kilometer, samt Flussüberquerungen, zurück und müssen nochmals drei Tage auf die Fertigstellung des Fahrzeugs warten, das Jarrad, mittlerweile ein Freund der Familie, auf Kulanz und ohne weitere Kosten für uns, erledigt.
Die Froggies und Froggielinas, so werden die vielen französischen Gastarbeiter/ innen von unseren Kinder getauft, freuen sich riesig über die Rückkehr der„Backpacker Family“, die wieder ihr Lager in deren Kreise aufschlägt.
Von Mangolina, die ihrem Namen gebend auf einer Mangofarm arbeitet, gibt es jeden Tag so viele Mangos, wie wir essen können, Froggie Charlie versorgt uns mit Kichererbsen, Froggie Emanuelle mit Erdnuskürbissen, Vannelina bastelt und näht mit den Kindern und im Pool ist immer was los. Vor allem, wenn Froggie Tom (der eigentlich als Belgier gar kein richtiger Froggie ist) Simi und Angad durch den Pool wirft und Saltos zeigt.
Die einzigen, die richtig happy sind, dass das Auto kaputt ist, sind Simren und Angad.
Dennoch treffen die Ersatzteile, zum Glück der Erwachsenen, ein und wir können unsere Reise fortsetzen. Nicht ohne einer kleinen Abschiedsparty, in der immer hoffnungslos überfüllten Froggieküche.
Die knapp 500 km nach Katherine fahren wir an einem Tag und baden in den Edith Falls, hier ist das Klima schon tropisch und die Luftfeuchtigkeit hoch.
Angad wird von einem, wir nennen es mal „Fauch Birdie“ angegriffen. In der Dunkelheit stehend ruft er nach Hilfe, vor ihm hat sich diese Vogelart aufgebaut, in etwas so groß wie ein Pfau, die Flügel ausgebreitet, und faucht ihn zornig an. Die Situation kann entschärft werden.
Das Top End um Darwin und die majestätischen Kakadu und Litchfield Nationalparks ersparen wir uns diesmal. Nächte, in denen wir schlafen können, sind uns wichtiger.
Dafür erleben wir in den Cutta Cutta Höhlen, von denen die Aborigines denken, die Sterne werden dort aufbewahrt, da überall Salzkristalle blinken, eine große Baumnatter, die vor uns flüchtet.
An den Thermalquellen von Mataranka werden wir Zeuge eines einzigartigen Schauspiels: Tausende von Fliegenden Füchsen hängen in den Palmen über unseren Köpfen, flattern herum und kreischen. Bei unseren Aufnahmen regnet es deren Exkremente auf uns herab – unangenehm, auf jeden Fall!
Wir sind wieder auf dem legendären Stuart Highway, den Guri und ich bereits 2005 von Süden nach Norden befuhren.
Der Asphalt kocht, bei annähern 40 Grad im Outback, wir halten nur zum Tanken an einem der spärlichen Roadhouses an der Straße und übernachten auf angrenzenden Farmen. Auch auf diesen gibt es am Abend immer einen kleinen Erkundungsgang. Es gibt Kälbchen zu bestaunen, Kamele und kleine Esel.
Umgeben sind wir, selbst im entlegensten Outback, von den vielen bunten Vögeln Australiens. Sittiche, Finken, Papageien und Kakadus.
Schon wieder muckt das Auto auf, diesmal hören wir merkwürdige Geräusche von den vorderen Rädern.
Nach zwei Tagen reiner Fahrt erreichen wir die Wüstenstadt Alice Springs. Während wir uns in den Supermärkten der Stadt auf Wassermelonen, Ginger Beer und Eis stürzen, können wir uns kaum vorstellen, dass nur wenige Kilometer in alle Himmelsrichtungen sengend heiße Wüste zu finden ist. Eine Einwohnerin scherzt und meint, Alice Springs sei die einzige Stadt Australiens, von der aus alle Strände gleich weit zu erreichen sind, in jede Richtung 2000 Kilometer.
Die Reparaturen werden auch erledigt, soweit ich das richtig verstanden habe, waren es diesmal die Gleichlauflager. Waren ja auch nur schlappe 1100 $.
Natürlich müssen wir mit den Kindern die berühmte „School of the Air“ besichtigen, die älteste Outbackschule Australiens. Von hier aus unterrichten Lehrer ca. 200 Kinder, die bis zu 1000 Kilometer von der Schule entfernt leben. Meistens sind es Kinder, die auf Farmen leben, aber auch Aborigine Gemeinschaften, die keine eigene Schule haben.
Die Lehrerin sitzt an einem Pult und kommuniziert mit den Kinder über Monitore. Beim Sportunterricht hüpft der Sportlehrer aufgeregt vor den Kameras herum und die Kinder, irgendwo weit da draußen im Land verteilt, folgen seinen Ausführungen. Auch Simren und Angad hüpfen begeistert mit und löchern das Personal mit Fragen.
Die MacDonnel Ranges durchziehen die Landschaft mit ihren Schlichten und Badebecken, die für uns eine willkommene Abwechslung an heißen Tagen sind.
Um an die Red Bank Schlucht zu gelangen, müssen wir eine Stunde durch ein ausgetrocknetes Flussbecken marschieren. Da sich dies bei der herrschenden Backofenhitze niemand zumutet, werden wir am Ende der Wanderung mit einem menschenleeren Badebecken belohnt.
Ohne Fliegennetze geht außerhalb der Stadt nichts mehr. Millionen dieser lästigen Outbackfliegen, die sich erbarmungslos in die Nasenlöcher, in die Ohren und Mundwinkel setzen, machen jedem Eindringling in ihr Revier, ohne Netze, das Leben zur Hölle.
Auch werden wir Zeuge eines kleinen Wüstensturmes, der in der Nacht unser Zelt in seine Einzelteile zerlegen will. Da es seit Wochen unglaublich heiß ist, schlafen wir nur noch ohne Außenplane. Somit fehlt uns das stabilisieren Element und die Zeltstangen schlagen uns um die Ohren, kiloweise Sand bereichert unser Schlafgemach und Heringe in den Steinboden zu hämmern, haben wir schon vor Wochen aufgegeben. Jede Nacht endet irgendwann und mit trockenen Augen und mit einem als Sandkasten umgewandelten Zelt, haben wir auch dies überstanden. Jetzt fehlen nur noch eine Sandschaufel und ein Eimerchen für das Kinderglück im Zelt.
Was für ein Glück, dass die Ormiston Schlucht, samt Badebecken, nicht weit entfernt ist.
Natürlich gehört ein Abstecher in das Red Centre Australiens, dem Uluru, zum Pflichtbesuch.
Guri verbietet mir jegliche weitere Geländestrecke mit dem Auto zu fahren, da sie der Meinung ist, es würde gleich wieder etwas brechen. Somit fahren wir über Alice Springs einen Umweg um dann erneut 450 Kilometer südwestlich, in das Herz Australiens, vorzudringen.
Zuerst besuchen wir erneut den majestätischen Kings Canyon, den wir schon am Morgen um 5 Uhr umrunden. Zu einen, damit ich ordentliche Bilder erhalte, zum anderen ist er ab 9:00 sowieso gesperrt, da es zu heiß wird.
Weitere Besucher sind über unseren flinken Kinder dermaßen begeistert, dass sich bei einer Reisegruppe, bis zu deren Ende, herumspricht :“The boy just turned 6!“.
Trittsicher und schnell sind Simren und Angad wirklich, anderseits bleibt ihnen ja auch nicht viel anderes übrig um mit uns mithalten zu können.
Erstaunlicherweise ist hier das Klima deutlich angenehmer als in Alice Springs.
Während wir uns tagsüber im Ayers Rock Resort in den Pools abkühlen, den Aborigine Geschichtenerzählern zuhören und das Leben genießen, schwelgen wir beim Sonnenuntergang, am blutrot leuchtenden Uluru, in unseren Gedanken und sind glücklich darüber, diese Reise zu unternehmen und dies erleben zu dürfen.

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