Vom Karijini NP bis hoch nach Broome (2015)

Naherfahrung mit Krokodilen in den Kimberleys

Die raue und staubige Rio Tinto Road verbindet über ca. 300 km Tom Price, die Siedlung in der Nähe des Karijini Nationalparks, mit dem Norden, in die Städte Karratha, Roeborn und Port Headland. Da es sich bei dieser Piste um eine Privatstraße handelt, die im Besitz einer der größten australischen Minen Gesellschaften befindet, müssen wir eine Genehmigung beantragen.
Die Züge, beladen mit Eisenerz aus den riesigen Minen, haben eine Länge von bis zu 3 Kilometern und ziehen mit 75 Stundenkilometern an uns vorbei.
Alleine dies zu erleben ist schon Abenteuer genug. Auch die gigantischen Minenfahrzeuge, neben denen ein normales Auto wie ein Spielzeug aussieht, sind beeindruckend.
Wir besuchen auf dem Weg die Badebecken des Milchester Nationalparks, die uns nach langen staubigen Fahrten bestens erfrischen. Vor allem der Python Pool, inmitten einer dürren Steppe, erinnert an eine Oase, mit seinen Palmen und dem klaren Wasser.
In der Legende der Aboriginals hat die Schlange der Schöpfung Warlu diese Wasserbecken erschaffen, wenn sie kurz aus dem Erdreich stieß.
Die Anzahl der australischen Ureinwohner, die schätzungsweise seit ca. 40000 Jahren hier leben, wird im Norden größer.
Sich darüber mit Australiern zu unterhalten ist immer ein heikles Thema. Während die einen meinen, es handelt sich bei den Aboriginals nur um Schmarotzer, für die sie zahlen müssen, meint die andere Fraktion, dass diesen Menschen so und so alles genommen wurden, was sie je besaßen.
Fakt ist, dass es immer noch blühende und authentische Aboriginalgemeinschaften, vor allem im Norden, gibt. Weiße sind unerwünscht und man braucht eine Genehmigung vom Stammesrat um diese betreten zu dürfen. Dort leben die Ureinwohner in intakten Familienverbänden zwischen Vergangenheit und Moderne. Es gibt Kühlschrank und TV, aber genauso ziehen die Großväter mit ihren Enkeln durch die Wildnis um sie in Zeremonien über ihre Ahnen und das Land aufzuklären.
Alkohol ist meist verboten.
Andererseits sind die Aboriginals, die die meisten Touristen zu sehen bekommen, in den Städten, verwahrlost und alkoholabhängig. Diese sind entweder Verstoßene von ihrem Stamm, weil sie gegen die Regeln verstießen, oder aber in ihrer Jugend suchende, die mit dem Leben der Weißen nicht klar kamen und auch nicht mehr den Weg zurück in ihre Kulturen fanden.
Dies ist für uns stets ein zutiefst trauriger Anblick, wenn wir diese, einst stolzen Menschen, schmutzig, zusammengekauert oder dahin schlurfend im Schatten der Parkanlagen von Siedlungen, sehen. Ein Kontakt kommt nie zustande, außer sie versuchen etwas Geschnitztes zu verkaufen.
Einen interessanten Einblick in die Geschichte der Ureinwohner erhalten wir bei unseren ersten Servas Leuten, Rod und Jane, die wir in Karratha besuchen.
Jane fährt mit uns zu Felsritzungen, die auf 30000 Jahre geschätzt werden.
Ganze Wälder und Seen können wir erkennen, kaum zu glauben, dass dieses karge Land vor Tausenden von Jahren so ausgesehen haben muss.
Nach Jahrzehnten des Kampfes der indigenen Völker dieser Umgebung beschloss die australische Regierung erst im letzten Jahr, dieses Erbe als Nationalpark zu deklarieren.
Der Stamm, der hier auf der Burrup Halbinsel lebte, wurde von den Siedlern vollständig ausgelöscht, somit siedelte auch Jahrhunderte danach kein weiterer Stamm mehr und große Konzerne ließen sich nieder um die schier unermesslichen Gasvorkommen abzubauen. Erst vor wenigen Jahren fand sich eine Lobby, die sich für den Erhalt stark machte.
Zweimal besuchen wir die Stelle und entdecken immer wieder neue Bilder.
Karratha ist eine Arbeiterstadt, irgendwie arbeitet hier jeder für eine Mine, die meisten für Rio Tinto.
Jane und Rod haben Besuch von ihren Verwandten aus Brisbane und wir zelten im Garten.
Rod und sein Cousin Ian sind Einwanderer aus Papua Neuguinea, die als Studenten in Australien blieben.
Die Gespräche sind interessant und die drei Tage vergehen schnell.
Es tut uns gut, mal wieder ein Zuhause zu haben, Wäsche zu waschen und Guris Fisch Curry, dass sie mit selbst gefangenen Makrelen von Rod kredenzt, ist ausgezeichnet.
Der Nord- Ost- Highway bringt uns nach Broome, einem Badeort mit kilometerlangen Stränden. Aus einem geplanten Kurzbesuch wird eine ganze Woche und wir genießen die Kühle des Ozeans.
Als Guri und ich vor 10 Jahren hier waren, war das Baden komplett verboten, da sich ein Salzwasserkrokodil herumtrieb. Dieses Mal haben wir deutlich mehr Glück.
Nur in der Nähe von Flüssen ist das Baden lebensgefährlich, denn die Salzwasserkrokodile sind auf keinen Fall zu unterschätzen.
Im Norden der Dampier Halbinsel können wir ausgezeichnet campen und genießen menschenleere Strände, leider auch Millionen von Stechfliegen, die uns am Abend in das Zelt flüchten lassen.
Auf dem Weg nach Fitzroy Crossing geraten wir in ein riesiges Buschfeuer, von denen wir schon die letzten Tage immer wieder von Weitem die Rauchsäulen sehen.
Während Simren und Angad von ihren Sitzen, den Atem anhaltend, begeistert aus dem Fenster sehen, riskieren wir die Fahrt mitten hindurch. Links und rechts der Straßen züngeln sich bis zu 4 Meter hohe Flammensäulen in die Höhe. Die Luft wird zum schneiden dick, als wir in einigen Minuten die schlimmste Stelle durchfahren haben, unsere Autoreifen sind heiß und kurz vor dem platzen.
Das Feuer zieht sich über 70 Kilometer am Highway entlang und als wir Nachmittags Fitzroy Crossing erreichen, erfahren wir, dass die Straße nach Broome für die nächsten Tage gesperrt ist.
Das nenne ich mal verdammtes Glück.
Wir besuchen die Schluchten des Windjana- Geikie- Tunnel Creek Nationalparkes und hören immer wieder die Geschichten von den vielen Süßwasserkrokodilen, die dort ihr Unwesen treiben – im Gegensatz zu den Salties aber eher harmlos gegenüber Menschen.
Während wir in der Geikie Schlucht ein kleines Krokodil auf einem Felsen sehen, stolpere ich im Tunnel Creek in absoluter Dunkelheit über einen Brocken, der erschrocken in das Wasser springt.
Wir leuchten mit unseren Taschenlampen und entdecken einen weiteren Prachtkerl, der uns grimmig anschaut. Simren zittert am ganzen Körper und muss auch noch warten, bis ich meine Beweisfotos gemacht habe.
Süßwasserkrokodile wehren sich nur, wenn sie angegriffen werden oder wenn man sie in die Enge treibt. Auch diese Spezies kann es bis auf drei Meter bringen, das ist aber auch nur die Hälfte der Salties.
Wie dem auch sei, die Bilder sind im Kasten und jetzt heißt es ans Ende des Tunnels zu gelangen und dabei hüfttief durch das Gewässer zu waten, in das soeben ein verängstigtes Krokodil flüchtete.
Alle hintereinander, einen Lichtkegel in der Dunkelheit bildend, waten wir hindurch und bleiben glücklicherweise vor Angriffen verschont.
Das ist schon ein Erlebnis der ganz besonderen Art, das wir sicherlich alle nie vergessen werden.
In der Windjana Schlucht kommt es dann geballt. Etwa einhundert Freshies liegen faul an den Sandbänken des halb ausgetrockneten Flussbettes herum.;
Und vor lauter Erklärungen, Warnungen und Belehrungen an die Kinder, stolpere ich fast wieder über eines, dass halb im Sand eingegraben ist. Simren warnt mich rechtzeitig und Angad unterschätzt diese Reptilien, da er der Meinung ist, das sie immer so friedlich da liegen. Immer wieder muss ich ihn ermahnen, Abstand zu halten.
Wir sind alle zu tiefst fasziniert, was für Eindrücke, diese Massen an Krokodilen zu erblicken. Auch bei Guri legt sich die Scheu und sie wagt sich immer näher heran.
Die Windjana Schlucht ist für uns auch der Eingang in die legendäre Gibb River Road, eine der bekanntesten Offroad Strecken von Australien.
Über 600 Kilometer zieht sie sich wie eine rote Schneise durch die Kimberleys von Derby nach Kunanarra.
Die Kimberleys gelten noch als echte Wildnis in Australien. Es gibt hier einige Aboriginal Gemeinschaften und wenige Farmen, sonst nur diese buckelige Straße.
Und wir mal wieder mittendrin, statt nur dabei.
Die Landschaft ist abwechslungsreich und faszinierend. Immer wieder müssen wir durch Flussbetten fahren, die aber meist schon ausgetrocknet sind. Wir sind am Ende der Trockenzeit angelangt, alles ist staubig und in einem miserablen Zustand.
Das Allrad benötige ich zwar nicht, dennoch ist der hohe Radabstand zwingen erforderlich um sich nicht die Ölwanne oder Sonstiges aufzureißen.
In Schrittgeschwindigkeit schaukele ich das Fahrzeug durch tiefe Bodenwellen und Sanderosionen. Guri zischt wie eine Schlange, wenn es mal wieder zu holprig wird und verflucht den Tag, an dem sie sich entschloss, mit uns Offroad zu fahren.
Immer wieder gibt es Nebenstraßen, die uns zu Schluchten und Wasserbecken bringen, in denen wir uns abkühlen. Der Staub klebt überall. Auch an die Präsenz von Süßwasserkrokodilen in allen Pools haben wir uns gewöhnt. Manchmal sehen wir einen Kopf, näher kommt uns keiner.
Erstaunlicherweise schafft es unser Auto ohne Probleme über die 600 Kilometer lange Mörderpiste.
Erst nach den legendären Cockburn Ranges, vor dieser riesigen Silhouette wurde der Film „Australia“ gedreht, fängt das Auto zu hüpfen an.
Der hintere Stoßdämpfer gibt auf und wir springen über die letzten 20 Kilometer Wellblechpiste nur auf unseren Federn. Die Kinder haben ihren Spaß, Guri und ich sorgen uns nur um das Auto, das einige heftige Schläge auf die Karosserie abbekommt.
Nicht nur das Fahrzeug leidet, auch die Hälfte seiner Insassen leidet unter Seekrankheit.
Mit Schrittgeschwindigkeit erreichen wir, nach unendlicher Zeit, endlich wieder die asphaltierte Straße – wir haben es überstanden.
Kein platter Reifen, kein übergekochtes Wasser, keine Brüche an Achsen und Fahrgestell, fast alles heil – im Gegensatz zu etlichen anderen Fahrern, die mit den unmöglichste Reparaturen in dieser Wildnis kämpfen müssen.
In Kunanarra wimmelt es von französischen Saisonarbeitern, die Obst und Gemüse pflücken.
Der Campingplatz ist voll, dafür bekommen wir jeden Tag Obst und Gemüse geschenkt.
Die Werkstatt kann unsere Stoßdämpfer innerhalb von drei Tagen besorgen und es gibt schlimmere Plätze auf der Welt um darauf zu warten. Es gibt einen riesigen Pool, einen Badesee, Wanderwege und alle Versorgungsmöglichkeiten, außerdem beginnt gerade die Mangosaison.
Mit einem reparierten Auto werden wir den Purnululu Nationalpark mit seinen berühmten bienenstockförmigen Felsformationen besuchen und dann, nach knapp zwei Monaten, Westaustralien verlassen und in das Northern Teritory fahren.

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