Von Perth bis Shark Bay (2015)

Wo ist endlich die Wildnis?

Australien ist wirklich erstaunlich. Da fahren wir ein paar hundert Kilometer, nur um von einem Ort an den anderen zu gelangen, damit meine ich nicht einmal für Touristen interessante Ort, sondern einfach nur von einer Siedlung zur nächsten. Und dazwischen ist nichts. Doch was ist schon nichts? Büsche, Steppe und immerhin zur Zeit einige schöne Wildblumen, ein totes Känguru und mal ein Skink, ein eidechsenartiges Wesen, das in unserem Familienjargon einfach „Wurscht“ genannt wird. Natürlich müssen wir danach permanent Ausschau halten.
Und das alles obwohl Perth, diese Millionenstadt, erst ein paar Tage hinter uns liegt.
Das kalte Wetter, der Sturm und viel Regen treiben uns zügig gen Norden und ab Geraldton wird das Klima auch besser.
Diese Stadt, mit ihren knapp 40000 Einwohnern, bietet sich perfekt an, alles Nötige zu erledigen und so viel einzukaufen, wie das Volumen unseres Fahrzeuges zulässt.
Wer hätte je damit gerechnet, dass ich beim erstmaligen Betreten der Einkaufshalle, laut und deutlich, hinter mir meinen Namen vernehme.
Ein bärtiger, sonnengebräunter, scheinbar durchaus athletischer Mann mittleren Alters fragt mich selbstbewusst, ob ich der Frank aus Würzburg sei. Da ich dieser nun einmal bin, gebe ich mich zu erkennen, immer noch nicht ahnend, welche Überraschung mir bevorsteht.
Es handelt sich bei dieser Begegnung doch tatsächlich um Uwe Filipi aus Mernes, nahe unseres Wohnortes, den ich das letzte Mal vor sage und schreibe mindestens 11 Jahren gesehen habe. Ein Beweis dafür, wie klein die Welt ist und ein weiterer Beweis dafür, dass die Philosophie, man soll seine Träume leben und nicht nur träumen, wahr ist.
Uwe gab seine Firma vor 8 Jahren auf und reist seitdem mit seiner Frau durch die Welt.
Leider war nicht all zu viel Zeit für ausgiebige Gespräche, dennoch werden wir den kurzen Austausch am Strand von Geraldton nicht vergessen.
Auch unsere Bremsen und einen Ölwechsel wollen wir hier noch erledigen, bevor es weiter nördlich geht.
Was für ein Glück, dass wir auf der Waminda Range, unserem Camp für die nächsten Tage, mit Ian einen Fachmann finden, der nebenbei noch eine Werkstatt unterhält. Mal abgesehen von diesem Glücksgriff, erweist sich die riesige Farm, auf der wir zelten, für die Kinder als das Paradies auf Erden. Emus, Kängurus, ein Pfau, Hühner, Schweine, ein riesiges Vogelgehege, Gänse, Python und Dingos, die australischen Wildhunde.
Der 74 jährige Ian, den wir locker auf knapp 60 schätzen, unterhält diese Farm seit über 20 Jahren und gibt angefahrenen und kranken Wildtieren ein Zuhause.
Mit viel Liebe werden Känguru Babys, Joeys, per Flasche aufgezogen und aufgepäppelt. Simren wird schnell zur neuen Känguru Mama und darf jeden Morgen das dreimonatige Joey, Namens Melon, mit der Flasche füttern.
Bei drei zahmen Kängurus, die schon seit langem in der Obhut von Ian und seiner lieben Frau Lieu sind, war es nur eine Frage, bis die Instinkte eines bald sechsjährigen Jungen Überhand gewinnen und er einem dieser am Schwanz ziehen musste. Mit einem riesigen Schwung bringt sich das arme geschundene Tier in Sicherheit und beäugt Angad mit kritischen Blocken bei allen weiteren Aktionen. Und dabei meinte unser Junge noch am Morgen, er habe sich extra die Augen gewaschen, damit er auch alle Tiere sehen kann. So ist das wohl mit neugierigen, kleinen Jungen, während sich seine Schwester mehr der Pflege widmet.
Angads Geburtstag feiern wir auch auf der Farm und er bekommt ein riesiges Emu Ei von Ian geschenkt.
Stefan hat sich wieder nach Perth abgesetzt, da er einige Organisationen zu erledigen hat und wir bleiben, völlig unverhofft, für eine knappe Woche auf der Waminda Range.
Zugegeben, es gib schlimmere Orte auf der Welt um zwei volle Tage an einem Dachgepäckträger herumzuschrauben, dennoch schleicht sich mit zunehmender Arbeit eine Abneigung gegen diesen Gegenstand ein. Er will einfach nicht so halten, wie es sein muss.
Erst mit Ians Rat und Werkzeug (was für ein geduldiger Mensch) mache ich mich fluchend an die Arbeit, baue die alte, instabile Konstruktion, ab und bohre neue Löcher im Außenbereich des Daches, oberhalb der Türen. Natürlich verbohre ich mich und stopfe die zusätzlichen Löcher mit weiteren Nieten. Hoffentlich blickt beim Verkauf in ein paar Monaten niemand auf das Dach.
Immer und immer wieder geht was schief, ich zwicke mir in die Finger, bekomme die Nieten nicht rein und schäme mich in der Gegenwart von Ian, in dessen Augen wohl nur ein Mann ist, wer auch ein Auto reparieren kann. Nicht umsonst lautet ein hervorragender Spruch am Frühstückstisch: „ Ich mag Tiere mehr als Menschen!“.
Irgendwie ist das Ding dann doch noch stabil, selbst Guri lobt mich und Ian nimmt meine Arbeit fachmännisch ab. Man könne das Auto jetzt an den Halter hochziehen, meint er schelmisch.
Zur Belohnung übernachten wir in der letzten Nacht im umgebauten Caravan, angesichts von 6 Grad in der Nach auch eine Folge unserer Schlafunterkühlung.
Wir sind immer auf der Suche nach interessanten Personen, somit ist für ein ein Besuch der unabhängigen Provinz „Hutt River“ ein Pflichtbesuch. Nach jahrelangen Streit in den Sechziger Jahren und einem Kapitalfehler der damaligen Regierung gelang es dem jetzigen Regenten von Hutt River, dem listigen Prinzen Luitpold, eine anerkannte, unabhängige Republik, auszurufen, die international anerkannt ist. Somit erhalten wir in unseren Reisepass einen Stempel und besuchen einen souveränen Staat, der, um existieren zu können, eine Monarchie darstellen musste.
Der noch heute regierende Gründer Prinz Luitpold feiert tatsächlich am kommenden Tage seinen 91. Geburtstag. Seine geschäftstüchtigen sieben Kinder halten das Fürstentum am Laufen und klären uns auf. Leider bleibt uns ein Interview verwehrt, ein Bild mit dem betagten Monarchen, der zufällig vorbeigefahren wird, können wir glücklicherweise erhaschen.
Unser nächstes Ziel heißt Kalbarri, sowohl Nationalpark, als auch Stadt. Hier werde ich ersmalig mit dem fotografieren beginnen und die vieles kommt Guri und mir noch sehr bekannt vor. Vor 10 Jahren führte unsere Reise im Westen Australiens von Norden nach Süden.
Irgendwie erstaunt uns der astronomisch hohe Benzinverbrauch zwischen 15 und 17 Litern, allerdings findet sich in unserem Auto auch kein Quadratzentimeter, der nicht genutzt wird.
Heute haben wir die Shark Bay erreicht und wollen mit einem Besuch der Delfine auf Monkey Mia Angads Geburtstagsgeschenk einlösen.
Leider sind wir hier nach fantastischen Nächten am Murchison River unter einem unglaublichen Sternenzelt und Vollmond auf einem, ich drücke es mal milde aus, widerlichen Massentourismus Campingplatz.
Was tut man nicht alles für glückliche Kinder?

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