Ankunft in Western Australia (2015)

Nun sitze ich erstmals, nach 5 Tagen, entspannt im Yanchep Nationalpark bei Perth herum, Angad verjagt Vögel mit seinem Fußball, Guri hat sich gerade in die Finger geschnitten und Simren kämpft sich durch den grammatikalischen Dschungel ihres handgeschriebenen Tagebuchs, dass sie ab heute regelmäßig führen will. Die allerersten Kängurus sind in Reichweite und die einzigen Koalas von Westaustralien (die Geschichte warum das so ist, erzähle ich an anderer Stelle) hängen, wer hätte es auch anders gedacht, gelangweilt in einem Baum herum.
Wir haben ein Auto und ein Zelt, Kochgeschirr, Straßenkarten, Benzinkanister und eigentlich so viel, dass unser Mazda Allrad aus allen Nähten platzt und wir nur als Sardinen eingequetscht fahren können. Im Reifen steckt eine Schraube, der Dachträger muss noch organisiert werden, ein Öl- und ein Bremsscheibenwechsel stehen an – sonst ist alles bestens.
Gut, unser Freund Stefan, der uns am Flughafen abholte und mit uns die letzten Tage alles organisierte braucht dringend eine Auszeit und geht heute mit seinen Kumpels einen saufen um den Familienstress mit uns wieder kurzzeitig zu vergessen. Für einen Weltreisenden, der seit vier Jahren alleine und ohne Kompromisse unterwegs ist, kann eine Familie schon mal kurzzeitig der Abgrund bedeuten.
Doch mal der Reihe nach.
Knapp 17 Stunden Flugzeit gehen dann doch zügig vorbei, Simren und Angad sind so und so mehr als die Hälfte der Zeit damit beschäftigt Videofilme anzusehen. Simren bringt es tatsächlich auf vier aufeinanderfolgende Kinofilme.
Unser Freund Stefan, mit dem wir schon vor drei Jahren durch Kanada reisten, holt uns vom Flughafen ab und wir dürfen für zwei Nächte bei seinen Bekannten, den beiden gastfreundlichen Japanern Shikashi und Ai übernachten. Das ist schon mal ein entspannter Anfang.
Ein kurzer Kommentar zur Millionenstadt Perth von den Kindern lautete nur: „Wir haben uns Australien irgendwie anders vorgestellt!“.
Städte sind halt doch nur Städte, überall auf der Welt.
Natürlich steht bei jeder längeren Reise als erstes der Autokauf auf dem Programm. Glücklicherweise können wir gleich am zweiten Tag einen passenden Allrad für uns finden.
Darauf folgt eine der berühmten Shopping Odysses mit Stefan, die wir noch von Kanada kennen.
Innerhalb kürzester Zeit besuchen besuchten wir dabei 15 verschiedene Geschäfte um einige wenige Gebrauchsutensilien zu erwerben. Stefan ist nämlich so etwas wie eine lebende „Wo bekomme ich das billigste“ App.
Um einen Dollar bei einer Gabel zu sparen, rennen wir lieber an das andere Ende der riesigen Mall, also der Einkaufshalle, um eventuell in einem Geschäft fündig zu werden.
Stellt Euch das nicht als gemütlichen Shopping Nachmittag vor. Stefan rennt mit einem Affenzahn durch die Läden, ohne Rücksicht auf ausstehende Dehydration oder Hungerprobleme. Gegessen wird eh erst nach 16 Uhr, denn da gibt es in den Food Courts das Essen zum halben Preis.
Mit Angad, an der Hand Stefans, in seinem Flugschatten, ich hechelnd hinter her, Simren fest im Griff eilen wir durch den Tag um das Nötigste zu erstehen. Guri darf das Auto packen.
Erstaunlicherweise ziehen sich die Reparaturen hin. Die Schraube im Reifen muss entfernt werden und der Dachgepäckträger kostet uns einen ganzen Tag. So lernen wir aber immerhin wie es sich mit Blechnieten im Dach verhält – eine weise Erfahrung, wenn man so ein Gerät noch nie bedient hat und mit Erstaunen feststellt, dass die Nietenstäbe noch zentimeterweise aus dem Dach herausstehen.
Nachdem sich das Regenwetter langsam auf unser Gemüt schlägt, fahren wir Richtung Norden um etwas mehr Sonne genießen zu können, von der wir in Deutschland ja noch so verwöhnt sind. Doch auch hier erst mal Sturm und Regen.
Wir flüchten, in Anbetracht unseres Zuspätkommens und erster rheumatischer Beschwerden in das Pinnacles Motel in Cervantes, ohne auch nur einen Blick auf die Pinnacles zu erhaschen, die immerhin eine riesige touristische Attraktion sind.
Doch genau so soll unser Trip werden, weg von den touristischen Straßen und hinein ins (Allrad) Abenteuer.
So navigierte uns Stefan eine brutale Offroad Piste, hinauf auf hohe Dünen, kilometerweise zu einem Strand und – wer hätte es anders gedacht – das Allrad läuft!
Die Kinder Johlen „Besser als Achterbahn“, Guri klammert sich mit Schrecken an allen zur Verfügung stehenden Haltegriffen (und darüber hinaus) fest und ich genieße die anspruchsvolle Fahrt. Ja, genau so sollte unser Trip werden, das ist das wahre Australien.

Ersten Kommentar schreiben

Antworten

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.


*